Testbericht · 21. Juli 2026

NCM Milano Plus im Test: 768 Wh für 1.549 Euro — wo ist der Haken?

NCM Milano Plus

NCM

Milano Plus

1.549 € · Datenblatt →

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Ein Datenblatt wie beim NCM Milano Plus sorgt zuverlässig für Misstrauen: 768 Wattstunden — mehr als im Riese & Müller Charger4 GT für das Vierfache. Die Frage ist berechtigt und die Antwort einfacher als erwartet: Der Haken sitzt nicht im Akku, sondern im Antriebskonzept.

Wichtig vorab: Reichweite und Ladezeit in unserem Datenblatt sind konservative Schätzungen bzw. Herstellerangaben; eigene Messwerte folgen und ersetzen die Werte.

Heckmotor statt Mittelmotor

Der Das-Kit-Heckmotor auf Bafang-Basis liefert 45 Nm — im Testfeld der niedrigste Wert, gegenüber 85 Nm der CX-Klasse weniger als die Hälfte. Diese Zahl ist aber nur die halbe Geschichte, weil ein Nabenmotor sein Drehmoment direkt aufs Rad bringt, ohne den Umweg über die Kette.

Auf ebener Strecke fühlt sich das kräftig und ruhig an: Der Motor schiebt gleichmäßig, es gibt kein Nachregeln beim Schalten, und weil das Motordrehmoment die Kette gar nicht durchläuft, hält der Antriebsstrang so lange wie an einem unmotorisierten Rad — ein realer Kostenvorteil, den der Kostenrechner sichtbar macht.

Am Berg kippt das Bild. Ein Nabenmotor kann nicht heruntergeschaltet werden; bei niedriger Drehzahl sinkt die Effizienz genau dann, wenn man sie braucht. Wer in hügeligem Gelände wohnt, merkt den Unterschied zum Mittelmotor nicht subtil, sondern am ersten Anstieg. Die vollständige Abwägung steht im Ratgeber Mittelmotor oder Heckmotor.

Die größte Drift im Feld

NCM nennt 140 km. Wir kalkulieren mit 70 — eine Abweichung von rund 50 % und damit einer der höchsten Werte im Testfeld. Das kostet Punkte im Check-Score, und zwar zu Recht: Die Angabe entsteht im niedrigsten Unterstützungsmodus auf flacher Strecke.

Wichtig ist die Einordnung: 70 km geschätzter Realwert sind trotzdem ein guter Wert — er liegt über dem des Cube Touring Hybrid ONE mit 500 Wh. Der große Akku liefert also, was er verspricht. Bestraft wird die Marketingzahl, nicht die Hardware. Wie die Drift in die Wertung eingeht, steht in der Score-Methodik.

Ein Nebeneffekt der Kapazität, den kaum jemand mitrechnet: Dieselbe Strecke entlädt einen 768-Wh-Akku flacher als einen 500er. Weniger Vollzyklen bedeuten langsamere Alterung — der große Akku ist damit auch das langlebigere Bauteil.

Was am Preis sichtbar wird

Die Schaltung. Shimano Altus mit 8 Gängen ist Einsteigerniveau: Sie funktioniert, braucht aber häufiger Justage und schaltet weniger präzise als eine Deore.

Die Zuladung. 97 kg für Fahrer und Gepäck sind der niedrigste Wert im Testfeld. Bei 90 kg Körpergewicht bleiben sieben Kilogramm für Kleidung, Schloss und Einkauf — das ist zu wenig. Wer schwerer ist oder viel transportiert, ist hier am falschen Rad; das ist der wichtigste Ausschlussgrund und keine Kleinigkeit.

Der Direktvertrieb. NCM verkauft online. Das erklärt den Preis und verschiebt zwei Dinge zum Käufer: die Endmontage und den Service. Wer keine Werkstatt in der Nähe hat, die fremd gekaufte Räder annimmt, sollte das vorher klären.

Der Wave-Rahmen. Tiefer Einstieg, bequem, für Ganzjahresfahrer im Stadtverkehr eine echte Stärke — aber kein sportliches Rad. Was die Rahmenform sonst noch bedeutet, steht im Ratgeber Rahmengröße und Rahmenform.

Für wen

Passt: Stadt- und Flachlandfahrer, Pendler mit langer Strecke und kleinem Budget, alle, die einen tiefen Einstieg brauchen und wenig schrauben wollen.

Passt nicht: Fahrer über 90 kg, Menschen in hügeligem Gelände, alle, die Werkstattnähe und Systemgarantie erwarten.

Fazit: Der Milano Plus ist kein Kompromiss-Rad, sondern ein bewusst anders gebautes: Es investiert in Akkukapazität statt in Antriebsqualität. Für flache Pendelstrecken ist das die klügere Verteilung des Budgets — und für 1.549 Euro der ehrlichste Deal im Feld, solange Gewicht und Topografie stimmen. Der Kaufberater klärt beides in zwei Minuten.